Alles wirkliche Leben ist Begegnung

Ambulante Hospizbewegung Dülmen e.V.

Martin Buber

Interview mit dem Vorsitzenden der Hospizbewegung Dülmen, Herrn Dr. Böck

SL: “Herr Dr. Böck, Sie sind vor kurzem zum Vorsitzenden der Hospizbewegung gewählt worden: Was ist eigentlich ein Hospiz?”

Dr. Böck: “Das Wort bedeutet eigentlich soviel wie Gästehaus oder Herberge. Seitdem das Sterben etwa seit Anfang dieses Jahrhunderts immer mehr tabuisiert und anonymisiert wird, bedeutet dieses Wort im weitesten Sinne eine Zuflucht für Sterbende, einen Ort, an dem sie ihre letzte Lebenszeit in Würde verbringen und auch in Würde sterben können. In diesem Zusammenhang muß man den Zerfall der Großfamilien sehen und die Tatsache, daß die Menschen immer älter werden und daher viel häufiger als früher nach dem Tode eines Partners als alte Menschen allein zurückbleiben.
Außerdem bedürfen alleinstehende pflegende Angehörige ebenfalls der Hilfe und Unterstützung.”

SL: “Wie will der Verein die praktische Hospizarbeit leisten?”

Dr. Böck: “Die Arbeit kann man in drei Bereiche gliedern: die ambulante, die teilstationäre und die stationäre Betreuung. Das Angebot richtet sich an unheilbar kranke Menschen in der letzten Phase, also in den letzten Wochen vor ihrem Tode, wobei - wie schon angedeutet - unsere Unterstützung auch Alleinstehenden gilt, die einen solchen Angehörigen pflegen.
Wir bieten momentan die ambulante Hilfe an. Das heißt, daß wir die Kranken in ihren Wohnungen aufsuchen. Unsere Mitglieder helfen nicht nur durch ihr Dasein und ihre persönliche Anteilnahme, sie bringen auch handfeste praktische Hilfe. Dazu gehört zum Beispiel das Helfen beim Essen, um nur eines zu nennen. Sie beraten aber auch in Ernährungsfragen, weil es dort, wo Kranke nicht mehr richtig kauen können, früher immer wieder Todesfälle durch falsche Ernährung gab. Abgestimmt mit dem behandelnden Arzt helfen wir bei der Schmerztherapie und bemühen uns, auf jede Weise dazu beizutragen, daß dem Sterben ein menschenwürdiges Antlitz gegeben wird und die Kranken wieder in häuslicher Geborgenheit und möglichst im Kreise ihrer Familie sterben können. Im übrigen bedeutet dies auch eine Entlastung der Krankenhäuser.”

 SL: “Ist auch ein Angebot in stationärer oder teilstationärer Betreuung beabsichtigt?”

Dr. Böck: Vielleicht mittel- oder langfristig. Es ist auch eine Finanzierungsfrage, denn in der Frage der Anerkennung von Hospizen sind die Auffassungen der Krankenkassen nicht einheitlich. In unserer Region müßte man sie als “eher zögerlich” bezeichnen. So hat das Hospiz Recklinghausen-Süd große Mühe mit dem Durchkommen.”
SL: “Wie entscheiden Sie über den Einsatz der Helfer; und was kostet es?”

Dr. Böck: “Wir sind ein Team, und das Team entscheidet gemeinsam über die jeweilige Einsatznotwendigkeit. Wenn wir einen Fall übernehmen, dann bedeutet das - je nach Qualifikationen - den Einsatz von zwei oder drei Helfern oder besser Helferinnen. Denn zu 90% sind sie Frauen, die meist aus pflegerischen Berufen kommen. In speziellen Seminaren unter Mitwirkung des Krankenhaus-Seelsorgers und der Ärzte bilden wir sie in theologischen und psychologischen Aspekten ebenso weiter wie in medizinischen Dingen. Ihre Hilfe erfolgt kostenlos.”

SL: “Sind Sie mit der Vereinsentwicklung zufrieden?”

Dr. Böck: “Wir sind jetzt über 50 Vereinsmitglieder, und davon sind 35 ehrenamtliche Betreuungshelferinnen und Helfer.
Wir haben einiges an Spenden erhalten, wofür wir sehr dankbar sind. Gerade jetzt zu Beginn benötigen wir eine Starthilfe. Mit den erhaltenen Spendenmitteln finanzieren wir im Zuge der Helfer-Ausbildung vor allem Vortragshonorare. Die weiteren Kosten für unser Kontakttelefon und Briefmarken sowie die Versicherung unserer Helferinnen und Helfer für die Dauer ihrer Einsätze sind noch nicht zu überschauen. Ansteigen werden die Kosten, wenn wir einmal die teil- oder vollstationäre Hilfe anbieten sollten. Dann dürfte ein erheblich höherer Spendenbedarf entstehen.”

SL: “Nun, nicht jeder dürfte für den unmittelbaren Dienst am Kranken geeignet sein, können Sie auch Helfer für den reinen Organisationsbereich gebrauchen, für Fahr- oder Bürodienste zum Beispiel?”

Dr. Böck: “In gewissem Umfang durchaus.”

SL: “Wenn man so darüber nachdenkt, dann kann eigentlich jeder unversehens in die Lage kommen, daß er selbst die Hilfe der Hospizbewegung benötigt. Spenden an den Verein oder seine Unterstützung könnte man somit durchaus auch als eine Investition für die eigenen letzten Lebenstage begreifen. Kann man das so sehen?”

Dr. Böck: “Wenn man selbstsüchtig denkt, dann kann man das durchaus so ansehen.”

SL: “Vielen Dank für das Gespräch.”

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